Tödliches Drama bei der Loveparade in Duisburg: Bei einer Massenpanik am Haupteingang gab es mehrere Tote!
BILD-Reporter Frank Schneider, der vor Ort ist: „Ich habe allein schon elf Tote gezählt, es sah schockierend aus.“ Die Toten waren bereits mit Laken abgedeckt.
Die Polizei bestätigte inzwischen, dass es mindestens zehn Tote gab.
Es hätte außerdem etwa 15 Verletzte gegeben, bei zehn Menschen seien Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig gewesen.
Das Drama spielte sich am Haupteingang ab, einem regelrechten Nadelöhr: Wegen Überfüllung wollten Tausende das Gelände am Alten Güterbahnhof verlassen, um zu einer zweiten, außerhalb des Gelände liegenden Bühne zu kommen.
Doch gleichzeitig kamen Tausende an, wollten zur Bühne auf dem Hauptgelände!
Schreie, Angst, Panik!
Tausende Menschen prallten zusammen, viele wurden zerquetscht, kippten in dem Gedränge um, mussten von Sanitätern reanimiert werden.
Raver Marius (18): „Es gab keine Fluchtmöglichkeit, Leute standen mir wie eine Wand gegenüber. Ich hatte Angst, ich sterbe.“
Eine andere Raverin zum BILD-Reporter: „Ich hatte Glück, fand eine kleine Lücke, doch neben mir starben zwei Frauen.“
Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, der Veranstaltungsort sei wegen Überfüllung geschlossen worden.
An der Loveparade nahmen nach Angaben der Organisatoren über den gesamten Tag verteilt 1,4 Millionen Menschen teil. 14 Hundertschaften der Polizei waren im Einsatz. Die erstmals 1989 in Berlin gestartete Loveparade fand damit nach einer Pause im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder statt.
Die Veranstaltung hatte am Samstag um 14 Uhr begonnen, ab 14 Uhr begannen die 15 Wagen („Floats“) auf einem Rundkurzs zu rollen.
Zum Verhängnis wurde den Ravern, dass es nur einen einzigen Eingang gibt, über den das Gelände zugänglich ist.
Die aktuelle Entwicklung:
• Trotz der Ereignisse läuft die Loveparade teilweise noch weiter. Im Norden des Geländes dröhnt die Musik noch aus den Wagen, sagte der Sprecher des Malteser Hilfsdienstes, Kai Vogelmann. Bis dorthin habe sich die Nachricht von den Todesopfern am Süden des Geländes noch nicht verbreitet.
• Nach der Massenpanik wird die Autobahn als Rettungsweg benutzt. Die A59 sei für den Verkehr gesperrt worden, berichtete der Sender WDR. Auf Bildern vom Partygelände war zu sehen, wie ein Hubschrauber versuchte zu landen. Neun Rettungshubschrauber seien im Einsatz.
Gleichzeitig war die Party jedoch noch im Gange, laute Musik war weiter zu hören. Inzwischen gebe es aber Durchsagen vom Unglück, erste Besucher strömen zum Bahnhof.
• Mehr als eine halbe Stunde vor der Massenpanik haben Augenzeugen die Polizei vor der Gefahr gewarnt. „Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen”, sagte der 21-jährige Raver Fabio der dpa. „Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter.” Einige seien über Zäune und eine Leiter geklettert.
„Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird.” Passiert sei aber erst einmal nichts. „Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt.”
• Ein Ordner: „Wir hätten den Eingang aufmachen müssen, der Druck war einfach zu große. Als die Panik losging, war nichts mehr zu machen. An manchen Stellen lagen fünf, sechs Körper übereinander. Diese Bilder werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen.“
• Raver Daniel (34) sah einen Menschen sterben: „Ich stand vor dem Eingang, wollte nach draußen, doch es war kein Platz alle wurden gequetscht. Ich hörte nur noch Schreie, überall lagen Menschen, ich wollte helfen. Da sah ich einen, der wiederbelebt wurde, ich hielt seine Hand, um ihm Kraft zu geben. Plötzlich hörten sie mit der Wiederbelebung auf, der Notarzt schüttelte den Kopf. Dann legten sie ein Tuch über den Mann.
• Inzwischen gibt es Kritik, dass sich auf dem Gelände viel zu viele Menschen aufhielten. Laut Bundespolizei habe der Fehler bei der Stadt Duisburg gelegen, die Veranstaltung hätte dort nie stattfinden dürfen.
• Ein anderer Raver zu BILD: „Plötzlich kam es zu einer Schlägerei, meine Freundin wurde in der Menge geschubst, die Polizei wollte daziwschen gehen. Erste Leute fielen um, ich hörte nur noch Schreie. Ich fiel zu Boden, Leute trampelten auf mir rum, doch ich schaffte es, wieder aufzusehen – und dann bin ich nur noch gerannt.
• Frank Kopatschek, Pressesprecher der Stadt Duisburg, sagte alle Notausgänge seien geöffnet. „Der Krisenstab hat entschieden, die Veranstaltung noch nicht zu beenden, weil im Moment zu viele Menschen auf dem Gelände sind.” Eine weitere Panik müsse verhindert werde.
• In Duisburg fahren nach der Katastrophe bei der Loveparade wieder einige Züge. Man versuche nun, nach und nach die Loveparade- Besucher aus der Stadt zu fahren.
• Die Polizei gab über Lautsprecher Hinweise an die Teilnehmer, sie sollen zurück in Richtung Hauptbahnhof gehen. Außerdem wurden 120 Busse aktiviert, die die Teilnehmer ursprünglich erst in der Nacht nach Hause bringen sollten.
• BILD-Reporter Uwe Wojtuschak ist am Duisburger Hauptbahnhof: „Hier ist alles abgesperrt. Busse sollen die Menschen abtransportieren. Ich sehe Mädchen, deren Schminke vom Heulen verwischt ist. Die Polizei versucht mühsam, die Situation in den Griff zu kriegen.“
• Mit Bestürzung und Trauer hat Vizekanzler und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) auf die Katastrophe reagiert: „Wir trauern mit den Angehörigen der Verstorbenen, und wir bangen und hoffen mit den Verletzten und ihren Familien.“
• Bundespräsident Christian Wulff hat mit großer Bestürzung auf das tragische Unglück bei der Love Parade in Duisburg reagiert. Wulff sagte BILD am SONNTAG: „Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar. Wie viele Menschen in unserem Land, die von diesem Unglück erfahren, bin ich mit meinen Gedanken bei den Opfern der Tragödie und allen ihren Angehörigen und Freunden. Ich hoffe, dass ihnen und allen Verletzten schnelle und wirksame Hilfe zuteil wird und die Ursachen rückhaltlos aufgeklärt werden.“
• Der Sprecher der Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Duisburg, Friedhelm Bohlar, sagte, seit dem Zwischenfall seien immer wieder Schwerverletzte gekommen, die in der Klinik versorgt wurden. Es kämen aber noch weitere Hubschrauber rein. In der Unfallklinik war aber zunächst keiner der Schwerverletzten in einem kritischen Zustand. Es gebe Schnittwunden und Quetschungen, etwa des Beckens.
• Der Loveparade-Gründer Dr. Motte hat den Veranstaltern in Duisburg einen schweren Management-Fehler vorgeworfen. „Die Veranstalter sind schuld”, sagte er dem „Berliner Kurier”. Es sei ein Skandal, die Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände am alten Güterbahnhof zu lassen. Dr. Motte warf den Veranstaltern „reine Profitgier” vor. „Da ging es doch nur ums Geldmachen. Die Veranstalter haben nicht das geringste Verantwortungsgefühl für die Menschen gezeigt.” Er sprach den Familien der 15 Toten und den Verletzten sein Mitgefühl aus.
• BILD-Reporter Uwe Wojtuschak: „Die Busse stoppen jetzt weit vor dem Bahnhof, doch alle strömen her. Inzwischen gibt es hier auch viele Notarzteinsätze, weil Menschen kollabieren. Die Feuerwehr ist mit mehreren Leiterwagen vorgefahren.“
• Nach gut informierten Kreisen aus dem Krisenstab geht die Loveparade geht vorerst noch weiter, da noch viele Raver die Tragödie gar nicht mitbekommen hatten. Die Musik soll jedoch langsam runtergefahren werden, wer das Gelände verlässt, kommt nicht wieder rauf. So soll eine neue Panik verhindert werden.
• Ein Augenzeuge, der sich selbst in dem Unglückstunnel befunden hatte, sagte im Nachrichtensender n-tv, es habe kein Entrinnen gegeben. Am Ausgang des Tunnels sei das Gelände abgesperrt gewesen, und von hinten seien immer mehr Menschen nachgekommen. Das Areal sei eigentlich nur für 350 000 Menschen ausgelegt. Von den anderen Loveparaden wisse man aber, dass rund eine Million Menschen kämen.
Adolf Sauerland (55, CDU), Oberbürgermeister von Duisburg: „Es ist ein tragisches Ereignis, das die Stadt Duisburg in dieser Form noch nie erlebt hat.“
• Laut Ramon van der Maat, Sprecher der Polizei Duisburg seien viele Opfer auch beim Sturz von einer Treppe ums Leben gekommen. „Sie hatten vorher versucht, aus der Menschenmenge zu entkommen.“
• BILD-Reporter Frank Schneider: „Auf der gesperrten Autobahn A59 werden Sanitätszelte aufgebaut, auch in Schulen werden Notlazarette eingerichtet. Noch immer kreisen Rettungshubschrauber über dem Gelände.“
• Der Duisburger Hauptbahnhof wurde am Abend gesperrt, weil die Bahn mit den Massen der abreisewilligen Menschen nicht mehr zurande kam. Die Straßen rund um den Hauptbahnhof waren ebenfalls vollkommen mit zurückkehrenden Besuchern der Loveparade überfüllt.
• Nach Angaben des städtischen Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe soll die Panik offenbar auch durch Besucher ausgelöst worden, die sich beim Zugang zum Veranstaltungsgelände vordrängeln wollten. Dabei war eine Gruppe von mehreren Personen im Bereich des Tunnelaufgangs über eine Absperrung geklettert und abgestürzt, so wie Rabe. Dadurch sei offenbar eine „Kettenreaktion” ausgelöst worden.
• Der Zugverkehr auf dem zeitweilig gesperrten Hauptbahnhof Duisburg ist am späten Samstagabend wieder langsam angelaufen. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, hat gegen 21.00 Uhr ein Zug mit Besuchern der Loveparade den Bahnhof in Richtung Düsseldorf verlassen. Zwischen 20.00 und 21.00 Uhr sei der Bahnhof gesperrt gewesen, weil Besucher Zäune umgestoßen hatten, die anschließend auf die Gleise fielen.
• Die Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft (SPD), sagte: „Unser Entsetzen über das schreckliche Unglück bei der Loveparade in Duisburg lässt uns verstummen.“ Das ganze Land trauere um die jungen Frauen und Männer, die friedlich feiern wollten und „bei diesem grauenhaften Drama ihr Leben verloren haben“. Die Gedanken seien nun bei den Familien, Angehörigen und Freunden der Toten und verletzt.
• EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat mit großer Bestürzung vom tragischen Unglück bei der Loveparade erfahren. „Ich spreche Deutschland, Nordrhein-Westfalen und den Familien der Opfer des Unglücks bei der Duisburger Love Parade im Namen der EU-Kommission und in meinem eigenen Namen mein tief empfundenes Mitgefühl aus”, erklärte Barroso am Samstagabend. Er wünschte den Verletzten eine baldige und vollständige Genesung.
• Die Veranstalter der Loveparade sprachen den Angehörigen der Opfer in einer Internetmitteilung ihr Beileid aus. „Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden”, hieß es in der kurzen Erklärung auf der Internetseite www.loveparade.net, die am Abend auf völlig schwarzem Hintergrund erschien. „Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen.”
(Quelle: Bild.de http://www.bild.d...panik.html ) Auch diverse andere Onlineausgaben von Namhaften Zeitungen berichten !
Editiert von Sascha am 25-07-2010 00:22
noli necare Nuntium
Duisburg - Die Menschen werden wütender und wütender! Hatte man bisher die Opfer der Massenpanik bei der "Loveparade" betrauert, schlägt die Stimmung nun mehr und mehr in Wut um.
Der Grund: Noch immer mauern die Veranstalter. Niemand übernimmt die Schuld, keiner entschuldigt sich. Die Trauernden, die heute (26.07.) zum so genannten "Todestunnel" kamen, erklärten, irgendeiner müsse endlich die Verantwortung übernehmen. Unterdessen wurde bekannt, dass Sicherheits-Regeln bei dieser "Loveparade" nicht eingehalten werden mussten. Der WDR berichtete, zum Beispiel die Fluchtwege durften schmaler sein, als vorgeschrieben. Auch die Kirchen in Duisburg reagieren inzwischen. Es heißt, ab morgen (27.07.) hätten die Gotteshäuser für Trauernde ständig offen. Zudem ist ein Trauergottesdienst für die 19 Todesopfer geplant.
Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.